Warum kaufen sich Fotografen Objektive, die sie scheinbar in ihren Möglichkeiten limitieren? Warum brauchen sie unbedingt Kameras mit dem besten Autofokus und entscheiden sich dann für Linsen, die nur manuellen Fokus bieten? Das habe ich mich gefragt, seit ich mich intensiver mit der Fotografie und später mit der Porträtfotografie beschäftigt habe. Immer wieder Mal tauchten Objektive von Zeiss auf. Mit einem recht hohen Preis, der sogar noch etwas über den von Canons L-Objektiven liegt, hatten sie aus meiner Sicht einen entscheidenen Nachteil: Der Fotograf muss selbst dafür sorgen, dass sein Objektiv scharf abgebildet wird.

Das Zusammentreffen einiger Faktoren sorgte schließlich dafür, dass ich nach etlichen Jahren als Fotograf nun doch für ein Zeiss-Objektiv in meiner Tasche habe. Zwar hatte ich mit dem Canon 1.8 und später mit dem Canon 1.2 schon zweimal Objektive mit einer 50er Brennweite, doch so richtig warm bin ich mit den 50mm nie geworden. Die damit entstandenen Bilder erschienen mir immer zu langweilig, der Blickwinkel zu alltäglich.

Zuletzt bemerkte ich aber bei Reportagen in Unternehmen und bei Porträtshootings immer wieder, dass genau diese Brennweite manchmal die richtige ist. Ich wollte Zeiss eine Chance geben. Immerhin schwärmten nicht wenige meiner Kollegen von der überragenden Bildqualität. Kurz vor Weihnachten – als ich mich gerade mit den verschiedenen Objektivklassen von Zeiss beschäftigte – gab es für die Milvus-Reihe einen kräftigen Rabatt. So kam ich zu meinem ersten Zeiss-Objektiv; dem Zeiss Milvus 1.4 50 mm.  Es wird nicht das letzte Objektiv dieses Herstellers sein.

Warum? Es gibt Kollegen, die sprechen von einem eingebauten Wow-Faktor und ich muss gestehen, dass ich mich jedes Mal freue, wenn ich mit dem neuen 50er unterwegs bin. Zwar produziere ich aufgrund des manuellen Fokus´ mehr Ausschuss als mit einem Autofokusobjektiv. Die Bilder, bei denen der Fokus aber sitzt, wirken auf bezaubernde Weise geradezu plastisch. Die Schärfe und die Farben sind umwerfend. Die Anmutung der Bilder ist genau nach meinem Geschmack.

Die hier gezeigten Beispielbilder sind nach einem Shooting für eine Physiotherapie entstanden. Model Tina fragte mich nach Ende der Aufnahmen, ob ich schnell noch ein paar Porträtfotos von ihr machen könne. Licht war schon abgebaut, das natürliche Licht erschien mir aber recht passend. Ich tauschte das 24-70er von Canon gegen das 50er von Zeiss und machte innerhalb von drei Minuten Bilder, die Tina umgehauen und mich glücklich gemacht haben.